Chronologie der Sammlung

1650-1876 Raritäten- und Kuriositätensammlung im Gymnasium illustre und dem Naturalienkabinett der Gesellschaft Museum
1798-1802 Ankauf diverser Fossilien für das Naturalienkabinett, bis ca. 1880, insgesamt aber eher zufällige Schenkungen von Objekten in den Naturwissenschaften als gezielte Anlage von Sammlungen
1801/1802 Ankauf von Mineraliensammlungen, unter anderem von Legationsrat von Struve und vom Mineraliensammler Karl Ludwig von Giesecke für das Naturalienkabinett
1817-1835 Der Kapitän Johann Wilhelm Wendt sammelt während mehrer Weltumsegelungen rezente Schnecken, die in die Sammlung eingehen
1820 Erwerb der Mineraliensammlung von Heinrich Christoph Gottfried von Struve
1842-1845 Publikation des Werkes „Abbildung und Beschreibung wenig gekannter Conchylien“ des Naturforschers Amadeus Philippi in Kassel und Dr. Gerhard von dem Busch mit etlichen Bremer Stücken
ca. 1840-1870 Ankauf einer größeren Anzahl von Fossilien aus der alpinen Trias aus der Sammlung des Giessener Professors v. Klipstein und der des Bremer Kaufmanns Förstner
ca. 1874-1877 Durch Vermittlung des Direktors der Gesellschaft Museum, Dr. Otto Finsch, wurde der Sammlung ein Ichthyosaurier aus Bad Boll auf der Schwäbischen Alb von Oberst Niebour geschenkt
1865 Die ersten Kreidefossilien vom Stemweder Berg gelangen durch Otto Brandt in die Sammlung, später durch Arnold 1968 publiziert
1876-1890 Gründung der Städtischen Sammlungen für Naturgeschichte und Ethnographie
1878 Das sehr gut erhaltene Fossil einer Schildkröte aus dem „Bremer Stein“ gelangt in die Sammlung, der Zoologe und Direktor Hubert Ludwig bearbeitet das Stück ein Jahr später wissenschaftlich
1879 Die auf einer zweijährigen Reise durch Westsibirien von Dr. Otto Finsch gesammelten Mineralien gehen in den Besitz des Museums, darunter auch die Gesteinsproben der Steinschleiferei Kolywan (NW Altai)
1881 Unter dem neuen Direktor der städtischen Sammlungen, Zoologe J. W. Spengel, wurde die Muschelsammlung neu geordnet und ausgestellt. Er regte an Kapitäne zu verpflichten, Mollusken für das Museum zu sammeln
1882 Durch Aurel Krause gelangen Fossilien aus dem Quartär der Lorenzbay in Kanada von seiner Reise 1881-1882 in die Sammlung
ca. 1885 E. Martens überlies der Sammlung Typenmaterial von Gastropoden (Bulimuliden) aus Südamerika
1889 Mollusken aus Sizilien, Land- und Süßwassermollusken von Teneriffa und den Kanarischen Inseln werden von Aurel Krause gesammelt
1890 Schenkung der Sammlung Förstner, unter anderem Fossilien aus der alpinen Trias nahe St. Cassian
1891-1933 Umbenennung des Museums in Städtisches Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde
1895 Aufbau der Schausammlung des städtischen Museums mit Galerien im ersten Stockwerk für die Zoologie, Mineralogie und Geologie; die Lehrer August Jordan und Friedrich Borcherding wurden für die Ordnung der geologisch-paläontologischen bzw. conchyologischen Bestände herangezogen, ab 1898 als „wissenschaftliche Hülfsarbeiter“
1896 Eröffnungsfeier des neuen Museumsbaues mit der Schenkung eines Mammutstoßzahnes durch Baron Ludwig von Knoop
1896 Philipp Bernhard Schmacker vermacht seine wertvolle Sammlung chinesischer Landgastropoden und weltweit gesammelter mariner Mollusken, dem Museum
1897 Mollusken werden auf der Grönlandexpedition von Walter Kükenthal gesammelt
1897 Ein weiterer Teil des im Jahr 1968 von Helmut Arnold publizierten Materials vom Stemweder Berg wird von Deichmann gesammelt
1899/1900 Dr. Erhard Eylmann sammelte auf zwei Reisen nach Australien zahlreiche Mollusken und Fossilien.
1896/1897 Ankauf der großen und einmaligen Sammlung hawaiianischer Landschnecken von William Dell Hartman aus Pennsylvania, USA durch Schauinsland
ca. 1899/1900 Der Saal im 2. Stockwerkes des Städtischen Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde, ursprünglich als Magazinraum vorgesehen, wurde bereits zur Hälfte für die mineralogischen und paläontologischen Sammlungen genutzt
1905 Publikation einer umfangreichen Studie über die Achatinellenfauna von Molokai (Hawaii-Inseln) durch F. Borcherding, auf der Grundlage der von Schauinsland 1896/97 angekauften Sammlung von William Dell Hartman
1911 Der Panzer und Teile des Skelettes des Riesengürteltieres aus Argentinien gelangen in die Sammlung
ca. 1912 Erwerb eines Abgusses des Dinosauriers Iguanodon, der auf dem Balkon am rückwärtigen Ende des neuen Lichthofes aufgestellt wurde
1912 Bei der Begradigung der Unterweser werden Reste von Mammut, Wollnashorn, Auerochse, Hirsch und Elch gefunden und mit den bereits vorhandenen Fossilien von Höhlenbär, Bison, Ren u.a. aus dem Travertin von Weimar sowie aus den berühmten Fundstellen der Dordogne und aus Brünn in Mähren vereint
1912 Weitere Reise von Dr. Erhard Eylmann nach Australien der erneut zahlreiche Mollusken und Fossilien sammelt
1913 Ankauf von Fährtenplatten, Rippelmarken und Knochen von Louis Böttner, die aus seinem Steinbruch bei Weimar stammten
1913 Erwerb von Lophiodon, Plagiolophus sowie einzelnen Fossilien einschließlich pflanzlicher Reste aus Schnaittach bei Bayreuth von der Firma Grebel, Wendler & Co. aus Genf
1916 Ankauf der Sammlung von Prof. Hermann aus Bremen-Vegesack (Mineralien und Fossilien)
1919/1920 Dr. Cohn sichert Bohrkerne aus der Erkundung von Kalisalzlagerstätten in der Umgebung Bremens und sammelte Bodenproben (kein Material in der heutigen Geowissenschaftlichen Sammlung)
1924 Friedrich Bocherding stirbt, ein geeigneter Nachfolger wurde nicht gefunden und so werden die von ihm seit 1895 verwalteten Conchylien-Bestände bis 1950 nicht betreut
1933 Dr. Thekla Hülsenbeck-Hoyermann wird als nebenamtlich tätige Mitarbeiterin für die paläontologische Sammlung eingestellt, nachdem sie dieses bereits viele Jahre ehrenamtlich war und A. Jordan diese bereits längere Zeit vernachlässigt hatte
1934 Umbenennung des Museums in Staatliches Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde
1935-1945 Umbenennung des Museums in Deutsches Kolonial- und Übersee-Museum
1935 Erwerb einer stattlichen Mineralien- und Erzsammlung aus Südwestafrika
ab 1946 Geologie, Paläontologie und Mineralogie sollten in der neuen Schausammlung keine eigenen Räume bekommen sondern eine Auswahl sollte im Verbund mit der zoologischen Sammlung gezeigt werden
1950-1956 Betreuung der Molluskensammlung durch Dr. Helmut Knipper bis dieser nach Karlsruhe wechselt
1950-1960 Übernahme der umfangreichen Fossiliensammlung des russischen Fürsten Wittgenstein vom Museum Schönebeck, der diese Sammlung bereits ca. 1860-1890 nach Bremen verkauft hatte
1953 bis 1981 Betreuung der geowissenschaftlichen Sammlungen durch Dr. Thorwald Kruckow, ab 1956 auch Betreuung der Molluskensammlung
1955 Erwerb der Geschiebesammlung von Alfons P. Meyer aus Berlin
1956/1957 Durchsicht der rezenten Gastropoden durch A. Zilch vom Museum Senckenberg und der Cypraen durch F. A. Schilder
1957 Expedition von Dr. Thorwald Kruckow nach Mexiko durch die besonders fossile Haizähne in die Sammlung gelangten
1958 Dr. Thorwald Kruckow gründet den Mineralogisch-geologischen Arbeitskreis, als Vorgänger des heutigen Geowissenschaftlichen Arbeitskreises
1963/1964 H. J. Anderson hinterlegt einen Teil seines Belegmaterials aus Twistringen zu seiner Veröffentlichung „Die miozäne Reinbeckstufe in Nord- und Westdeutschland und ihre Molluskenfauna“
1964 Das Sammlungsstück der ersten und bis heute einzigen erwachsenen Zecke aus dem baltischen Bernstein wird durch Herbert Weidner beschrieben
1967 Präparator Johannes Geils restauriert und konserviert im Januar diesen Jahres das Riesengürteltier
1968 Die vielzitierte Arbeit „Das Obercampan des Stemweder Berges und seine Fauna“ wird von Helmut Arnold publiziert, das Belegmaterial stammt überwiegend aus der Sammlung
1970 Herbert Abel legt in seinem Buch über die Geschichte des Übersee-Museums den gedanklichen Grundstein für die Einrichtung der Geowissenschaftlichen Sammlung an die Universität Bremen: „Was die umfangreichen Magazinbestände aus den Bereichen der Geologie, Paläontologie und Mineralogie anbetrifft, so liegt es nahe, diese später einmal an die zuständigen Institute der künftigen Universität Bremen abzugeben.“
1971 Expedition von Dr. Thorwald Kruckow nach Costa Rica mit Aufsammlung tertiärer Gesteine, unter anderem vom klassischen Fundort Turrucares, westlich San José
1982 Dr. Elisabeth Kuster-Wendenburg übernimmt die geologische Abteilung des Übersee-Museums und die Betreuung der rezenten Molluskensammlung
1986 Dr. Elisabeth Kuster-Wendenburg publiziert eine umfangreiche Monographie über die Pyramidellen der Sammlung aus dem Miozän von Nordwestdeutschland. Dieses steht auf der Grundlage von 500 Einzelproben aus wasserwirtschaftlichen Bohrungen
1987 Grabungen in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Leiden bei Miste nahe Winterswijk, Niederlande, umfangreiches Molluskenmaterial aus dem Miozän wird geborgen
1988 Grabung in der Grube Messel bei Darmstadt
1990 Zweite Grabung in der Grube Messel bei Darmstadt
1990-1992 Aufbau der Dauerausstellung „Evolution“, hierzu wird in Brüssel – wie bereits um 1912 – ein Abguß eines Dinosauriers der Gattung Iguanodon erworben. Der neue Abguß besteht jedoch nicht aus Gips sondern aus Kunststoff
1993 Dritte Grabung in der Grube Messel bei Darmstadt
1994 Bearbeitung der Achatschnecken durch Prof. Richard I. Johnson, Harvard Universität, Massachusets, USA, die von William Dell Hartman bereits 1899 erworben wurden
1994 Umzug der Abteilung Geowissenschaften inklusive rezenter Mollusken vom Übersee-Museum in die Obhut des Fachbereiches 5 der Universität Bremen und Zusammenführung als Geowissenschaftliche Sammlung
1997 Die bedeutende Mineraliensammlung des Bankdirektors Arthur von Gwinner gelangt an die Universität
1999 Das Buch „Der Bremer Stein und die Dinosaurier“ von Dr. Elisabeth Kuster-Wendenburg wird veröffentlicht und legt erstmals die Geschichte der geowissenschaftlichen Sammlungen Bremens umfassend dar
2000 Dr. Jens Lehmann wird Leiter der Geowissenschaftlichen Sammlung
2001 Ein Labor für die Druckluftpräparation von Fossilien wird eingerichtet
2002 Zahlreiche Aktivitäten im „Jahr der Geowissenschaften„, unter anderem mit den Ausstellungen „Bremer Stein“ im Bremer Rathaus und „Evolution“ auf dem Geoschiff, einem Binnenschiff das in mehr als 50 deutschen Städten anlegte
2002 Teile der Molluskensammlung von Dr. Helmut Knipper, die ursprünglich dem Übersee-Museum gehörte, werden in Karlsruhe wiederentdeckt und in die Geowissenschaftliche Sammlung überführt
2002 Die bedeutende Otolithensammlung Herbert Menzel wird endgültig in die Sammlung überführt
2002 Beginn der Präparation und wissenschaftlichen Bearbeitung des Knochenhechtes aus der Santana Formation durch Dr. Lance Grande in Chicago, USA
2002/2003 Die rezenten Mollusken, gesammelt von Kapitän Johann Wilhelm Wendt (1802-1847), werden in zwei Büchern von Dr. E. Kuster-Wendenburg abgebildet
2002/2003 Eine große Platte mit Dinosaurierfährten aus dem „Bremer Stein“ wird der Sammlung von Herrn Klaus Köster, Steinbruchbesitzer in Obernkirchen, geschenkt und durch Dr. Jens Lehmann wissenschaftlich bearbeitet
2003 Grabungen im Jura von Yorkshire, Nordengland und Aube, Nordostfrankreich
2004 Expedition in den tibetischen Himalaya zu Forschungszwecken
2005 Umzug des größten Teiles der Sammlung innerhalb des Universitätsgeländes in das neu errichtete Marum-Gebäude
2005 Ein Katalog der wissenschaftlichen Originale der Otolithensammlung Menzel erscheint

Erwähnte Schriften:

  • Abel, H. (1970): Vom Raritätenkabinett zum Bremer Übersee-Museum. Die Geschichte einer hanseatischen Sammlung aus Übersee anläßlich ihres 75jährigen Bestehens. Bremen: Röver; 352; Bremen.
  • Arnold, H. (1968): Das Obercampan des Stemweder Berges und seine Fauna. – Veröffentlichungen aus dem Übersee-Museum Bremen. 3, 273-342; Bremen.
  • Kuster-Wendenburg, E. (1999): Der Bremer Stein und die Dinosaurier. Die Geschichte einer Sammlung. – 95; Bremen.
  • — (2002): Entdeckungsfahrten im Auftrag Preussens. Der Bremer Kapitän Wendt 1802 bis 1847. – 110; Delmenhorst.
  • — (2003): Marine Gastropoda und Lamellibranchiata der Sammlung von Johann Wilhelm Wendt (1802-1847). – 47; Oldenburg.
  • Ludwig, H. (1879): Plesiochelys Menki (Emys Menkei Fr. Ad. Römer). Ein Beitrag zur Kenntniss der Schildkröten der Wealdenformation. – Palaeontographica. 26, 2-12; Kassel.
  • Lehmann, J. (2003): Dinosaurierfährten aus dem Obernkirchen Sandstein (Unterkreide, Berriasium) in der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Bremen. – Abhandlungen herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen Verein zu Bremen. 45(2), 473-486; Bremen
  • Lehmann, J., & Menzel, H. (2005): Die Otolithen der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Bremen – Provenienzen und Katalog der Originale. – Abhandlungen herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen Verein zu Bremen. 45(3), 657-678; Bremen
  • Weidner, H. (1964): Eine Zecke, Ixodes succineus sp. n., im baltischen Bernstein. – Veröffentlichungen aus dem Übersee-Museum in Bremen 3(3): 143-151.