Otolithen

Unter dem Begriff Otolithen verbergen sich Gehörsteine von Fischen. Diese kalkigen Gebilde kommen im stato-akustischen Organ der höheren Fische vor. Dieses Organ entspricht dem inneren Ohr (Labyrinth) und ist für den Gleichgewichtssinn und das Hörvermögen zuständig. Otolithen sind meist nur wenige mm lang, da der Kalk aus dem sie aufgebaut sind jedoch fossil sehr gut erhaltungsfähig ist, kann man sie unter dem Mikroskop auch nach Millionen von Jahren noch untersuchen. Jeder Otolith hat eine charakteristische Gestalt und ist für eine bestimmte Fischart typisch. Hiermit lassen sich fossil Arten bzw. ganze Faunen nachweisen, ohne einen Knochen der Tiere vorliegen zu haben.

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Die ältesten bekannten Otolithen stammen von Palaeonisciden aus dem Mittel- oder sogar späten Unterdevon, sind also etwa 380 Millionen Jahre alt. Bis in den Oberen Jura, vor etwa 145 Millionen Jahren, treten sie nur selten auf. Die Otolithen der Geowissenschaftlichen Sammlung stammen zum größten Teil von Fischen aus dem Tertiär, sind also zwischen 65 und 2 Millionen Jahren alt.

Die Otolithen der Sammlung Menzel
Die Sammlung fossiler Otolithen wurde von Herbert Menzel, Jahrgang 1927, aus Bremen zusammengetragen. Beruflich war er im Maschinenbau tätig und befasste sich seit 1968 in seiner Freizeit mit Otolithen. Die Beschäftigung mit Gehörsteinen von Fischen war Anfangs eine Platzfrage, da ihn Mengen an makroskopischen Fossilien zu Hause bald vor ein Problem gestellt hätten. Durch

Dr. Thorwald Kruckow begann er sich rasch als Amateur zu einem angesehenen Spezialisten für diese Fossilien zu entwickeln. Er sammelte Otolithen aus Norddeutschland, besonders aus dem Oligozän und Miozän, vor 5-34 Millionen Jahren, unter anderem auch an der berühmten ehemaligen Tongrube Sunder in Twistringen, südlich von Bremen. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung bearbeitete er Material aus zahlreichen Bohrungen in Niedersachsen. Für diese Arbeiten lag ihm fossiles Vergleichsmaterial aus anderen Teilen Deutschlands, sowie aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Österreich und den Niederlanden vor. Besonders intensiv beschäftigte er sich außerdem mit Otolithen aus dem Oligozän bis Pleistozän der Türkei. Vergleichsmaterial heutiger Fische floß unter anderem von der Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Bremerhafen in die Sammlung ein.

Land/Region Lokalität
Material aus Bohrung
Alter
Norddeutschland, Niedersachsen
Achim Miozän
Ahausen
x
Miozän
Apensen
x
Miozän
Astrup Oligozän
Bevern
x
Miozän
Bornberg
x
Miozän
Bossel
x
Miozän
Bötersen
x
Miozän
Buschhörne
x
Miozän
Dersdorf
x
Miozän
Dollern
x
Miozän
Dreilingen
x
Oligozän-Miozän
Ellenbruch
x
Miozän
Engelbostel Hauterivium
Freetz bei Sittensen Miozän
Gartow
x
Oligozän
Goldbeck
x
Miozän
Gräpel
x
Miozän
Hackmühlen
x
Miozän
Hamersen
x
Miozän
Harsefeld Miozän
Hassendorf bei Rotenburg Miozän
Hellwege
x
Miozän
Horst
x
Miozän
Jesteburg Miozän
Karwitz
x
Oligozän
Kassebruch
x
Miozän
Kesselhofkamp
x
Miozän
Kuhla
x
Miozän
Linnewedel
x
Miozän
Lohfeld
x
Miozän
Lüneburg
x
Miozän
Luhner Holz
x
Miozän
Narthausen
x
Miozän
Nieder-Ochsenhausen
x
Miozän
Nindorf
x
Miozän
Nordlohne Miozän
Oerreller Moor
x
Miozän
Oldendorf
x
Miozän
Ostedt
x
Oligozän und Miozän
Pohlkotte Oligozän
Rhaden bei Lamstedt Miozän
Rhadereistedt
x
Miozän
Scheeßel
x
Miozän
Secklendorf
x
Oligozän
Secklingen
x
Oligozän
Söllingen bei Jerxheim Oligozän
Steinfeld
x
Miozän
Tarmstedt Miozän
Tegel
x
Miozän
Twistringen Miozän
Wangersen
x
Miozän
Wedehof
x
Miozän
Weyhausen
x
Oligozän
Wistedt
x
Miozän
Wittkoppenberg
x
Miozän
Wittkopsbostel
x
Miozän
Worth bei Rotenburg
x
Miozän
Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen
Dahlheim
x
Oligozän
Dingden – Berg
x
Miozän
Doberg bei Bünde Oligozän
Hilden bei Düsseldorf Oligozän
Matzerath Oligozän
Rheinberg Oligozän
Wachtendonk
x
Miozän
Norddeutschland,
Schleswig-Holstein
Groß Pampau Miozän
Langnklint Miozän
Pinneberg
x
Miozän
Tornesch
x
Miozän
Norddeutschland, Mecklenburg-Vorpommern
Kobrow bei Sternberg Oligozän
Malliß Oligozän
Pinnow Oligozän
Hessen, Süddeutschland
Ahnetal Oligozän
Deute, Gudensberg Oligozän
Hallgarten Oligozän
Höllkopf bei Glimmerode Oligozän
Kassel Oligozän
Niederkaufungen Oligozän
Oberkaufungen Oligozän
Weinheim Oligozän
Wöllstein Oligozän
Saarland, Süddeutschland
Breitenheim Perm
Meisenheim Perm, Rotliegendes
Belgien
Balegem bei Gent Eozän
Edegem Miozän
Egem Eozän
Heist op den Berg Miozän
Kallo Pliozän
Dänemark
Gram Miozän
Frankreich
Blaincourt Eozän
Chateau Rouge Eozän
Damery Eozän
Fayel Eozän
Fercourt Eozän
Fleury la Riviere Eozän
Grignon Eozän
Saucats Miozän
Villiers St. Frederic Eozän
Italien
Campore, Salomaggiore Pliozän
Cutrofiano Pliozän
Cava Caudana Monteu Roero Pliozän
S.Agata Miozän
Niederlande
Miste bei Winterswijk Miozän
Österreich
Baden Tertiär, unbestimmt
Gainfarn bei Baden Miozän
Laa a. d. Thaya Miozän
Stetten, Teiritzberg Miozän
Teiritzberg bei Korneuburg Miozän
Türkei
Deliilyas bei Sivas Miozän
Fethiye bei Mugla Pliozän
Kale bei Denizli Miozän
Kalecik bei Ankara Miozän
Kalikik bei Ankara Miozän
Kangal Becken bei Sivas Miozän
Kasaba Ebene bei Antalya Miozän
Göynük bei Bolu Pleistozän
Kale bei Denizli Miozän
Kas bei Antalya Miozän
Sabuncu bei Kütahya Pliozän-Pleistozän
Samandagi bei Hatay Tertiär, unbestimmt
Saruhanli bei Manisa Miozän
Selendi Becken bei Manisa Miozän, Pliozän, Pleistozän
Sussurluk bei Balikesir Miozän
Yerkesik Gebiet bei Mugla Oligozän-Miozän

Aus diesen vielfältigen Quellen entstand im Laufe der Jahre eine einmalige Vergleichssammlung, die Herbert Menzel im Herbst 2002 der Geowissenschaftlichen Sammlung schenkte. Das Material ist akribisch etikettiert und bereits vollständig in eine Datenbank eingepflegt. Er veröffentlichte selbst einen Teil dieser Sammlung in mehr als 30 Arbeiten zum Thema.

  • Menzel, H. (1978): Otolithen und ihre Bedeutung in der Paläontologie. – Aufschluss 29: 89-92.
  • — (1979): Die Fischfauna aus dem Mittelmiozän von Twistringen. – Abhandlungen Naturwissenschaflicher Verein Bremen 39: 83-127.
  • — (1980): Die Fischfauna aus dem Oberoligozän von Astrup bei Osnabrück. – Abhandlungen Naturwissenschaflicher Verein Bremen 39: 263- 282.
  • Menzel, H. & Becker-Platen, J. D. (1981): Otolithen aus dem Tertiär der Türkei (Känozoikum und Braunkohlen der Türkei. – Geologisches Jahrbuch 42, 5 -91.
  • Menzel, H. (1982): Ein Vergleich fossiler mit rezenten Otolithen. – Aufschluss 33: 397-403.
  • — (1983): Die Otolithen einiger oligozäner Vorkommen vorwiegend aus dem Kasseler Meeressand (Oberoligozän). – Geologisches Jahrbuch Hessen 111: 5-45.
  • Menzel, H. & George, P. (1984): Untersuchung einer tertiären Scholle in einer Sandgrube bei Tarmstedt, nordöstlich von Bremen. – Abhandlungen Naturwissenschaflicher Verein Bremen 40: 137-154.
  • Menzel, H., George, P. & von Fick, C. C. (1984): Untersuchung des Profils der Tongrube Twistringen sw. Bremen (Mittelmiozän; Reinbek-Stufe). – Aufschluss 35: 137-150.
  • Menzel, H. (1985): Anormal gestaltete fossile Otolithen. – Aufschluss 36: 165-167.
  • — (1986): Otolithen aus dem Oligozän und Miozän von Nordwestdeutschland (zwischen Elbe-Weser-Aller). – Nordwestdeutschland im Tertiär, Teil 1. – (Beitr., Reg. Erde) 18: 446-502.- Bornträger, Berlin-Stuttgart.
  • — (1991): Revision der Fischfauna von Twistringen (Mittelmiozän, Bez. Bremen). – Aufschluss 42: 201-206.
  • — (1992): Ein Otolith der Familie Caproidae aus dem Miozän von Norddeutschland. – Aufschluss 43: 229-230.
  • Menzel, H., George, P. & Schick, H. (1994): Eine miozäne Scholle aus der Tongrube in Rhaden bei Lamstedt. – Aufschluss 45: 11-25.
  • Menzel, H. (1997): Die Tongrube der Ziegelei Sunder in Twistringen (Bez. Bremen). – Aufschluss 48: 16-20.
  • — (1997): Die Ziegeleitongrube Sunder in Twistringen-Typuslokalität miozäner Fossilien. – Aufschluss 48: 154-160.
  • — (2000): Fossile Otolithen der Ordnung Siluriformes Cuvier 1817 aus dem Tertiär von Nord- und Westdeutschland. – Aufschluss 51: 355-359.
  • — (2001): Otolithen der Gattung Coelorinchus (Fam. Macrouridae) aus dem Tertiär des Nordsee-Beckens. – Aufschluss 52: 187-191.