Ammoniten der Kreide

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Diese schneckenförmigen Fossilien gehören zu den Ammoniten – ausgestorbene Meerestiere mit einem Gehäuse aus Kalk. Ammoniten sind mit den Muscheln und Schnecken den Weichtieren (Mollusken) zuzuordnen. Sie sind Verwandte urzeitlicher Tintenfische, die zwischen 300 Millionen und 70 Millionen Jahre vor heute die Meere bevölkerten. Damit sind sie, ebenso wie die Dinosaurier, am Ende der Kreidezeit ausgestorben, obwohl sie über Hunderte von Millionen Jahre großen Erfolg hatten und viele Tausend Arten hervorbrachten. Sicher ist, dass sich damals ihr Lebensraum drastisch verkleinert hat, denn am Ende der Kreidezeit zog sich das Meer von den bis dahin überfluteten Kontinenten zurück. Auch wenn die Ammonitengehäuse im Laufe der Zeit zu Stein geworden sind, schauten aus den Öffnungen zu Lebzeiten zehn Tentakel des Tieres heraus. Ammoniten ernährten sich von Seelilien, Muschelkrebsen, einzelligen Organismen und Artgenossen. Einige Ammoniten sind besonders groß, es gibt Riesenammoniten bis zu einem Durchmesser von 2,5 m. Die Geowissenschaftliche Sammlung besitzt Tausende von Ammoniten aus der Kreidezeit. Über Lebensweise und Evolution dieser ausgestorbenen Tiere wird intensiv an diesem Material geforscht.

 

kreide4Die Ammoniten der Kreidezeit sind besonders interessant, da sie während ihrer Evolution eine besonders reiche Formenvielfalt hervorbrachten. Typisch für die Kreidezeit sind die sogenannten heteromorphen Ammoniten. Bei dieser Gruppe weicht die Gehäusegestalt von der „normalen“ schneckenförmigen Spirale ab, gerade gestreckte, korkenzieherartige oder hakenförmige Schalen können auftreten. Die stammesgeschichtlichen Bezüge vieler Gruppen sind bis heute ungeklärt. Um möglichst viel über die Evolution und geographische Verbreitungsmuster der Ammonitenfaunen im globalen Muster zu erfahren, werden Stücke aus aller Welt gesammelt. Dennoch kristallisieren sich Schwerpunkte heraus, wie aus der folgenden Abbildung ersichtlich ist. Besonders reiches Material stammt aus der höheren Oberkreide Nordamerikas, dem Western Interior-Becken, sowie der höheren Unterkreide von Texas und Frankreich. Innerhalb Deutschlands liegt der Schwerpunkte vor allem auf der Mittelkreide Westfalens und Niedersachsens.

 

kreide3Die texanischen Ammoniten stammen aus dem Mittleren und Oberen Alb sowie dem untersten Cenoman aus der Umgebung von Fort Worth in Nordost-Texas und sind somit zwischen 95 und 100 Millionen Jahre alt. Diese Aufsammlungen sind hervorzuheben, da die Ammoniten horizontiert, d.h. Schicht für Schicht, gesammelt wurden und besonders exakt dokumentiert sind. Des weiteren sind vom Sammlungsleiter Dr. Jens Lehmann parallel zur Aufsammlung der Ammoniten Mikrofossilproben genommen worden.

 

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In Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen ist dieses Datenmaterial ausgewertet worden, um unter anderem einen exakten Vergleich zwischen der Schichtgliederung mit Hilfe von planktischen Foraminiferen und der mit Ammoniten zu ermöglichen.Der Schwerpunkt Nordafrika setzt sich hauptsächlich aus Ammonitenfaunen des Cenoman-Turon des östlichen Atlas in Marokko und des Oberbarreme bis Alb des nördlichen Sinai in Ägypten zusammen. Letztere wurden in Zusammenarbeit mit der AG Prof. J. Kuss gesammelt und sind Gegenstand laufender Forschungstätigkeit. Die Faunen aus Frankreich fügen sich an dieses Material an, da sie zum Teil gleich alt sind. Ergänzt werden diese Aufsammlungen ganzer Faunen durch bedeutende Einzelfunde, beispielsweise eines heteromorphen Ammoniten mit im ursprünglichen Zusammenhang erhaltenen Kieferelementen aus dem Cenoman des Libanon. Die norddeutschen Ammoniten gliedern sich in Material aus neueren Aufsammlungen in den Plänerkalken des Cenoman und Turon, sowie in die des Campan. Aus dem Campan sind auch die Altaufsammlungen aus den sandigen Kalksteinen der klassischen Fundstellen am Stemweder Berg nahe der Orte Haldem und Lemförde zu nennen. In diesem Gebiet, in dem heute Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen aneinander grenzen, wurde bereits seit 1865 für die Bremer Sammlung gesammelt.Das Material kretazischer Ammoniten ist fast ausschließlich personenbezogen und stellt die Forschungssammlung des Leiters Dr. Jens Lehmann dar. Sie fügt sich nahtlos in den Schwerpunkt Mollusken der Geowissenschaftlichen Sammlung ein.